Update! Jetzt doch: Verstöße gegen die DSGVO abmahnfähig – PANIK, WELTUNTERGANG!!!

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Knapp 4 Monate nach Inkrafttreten der DSGVO entschied nun offenbar erstmalig ein Landgericht (hier Würzburg), dass Verstöße gegen die DSGVO abmahnfähig  sind. Das war bislang umstritten und es gab auch sehr „gewichtige“ Meinungen, die derartige Verstöße für nicht „abmahnfähig“ gehalten haben.  Umstritten ist dabei die Frage, ob Regelungen der DSGVO unter § 3a UWG fallen, also eine sogenannte Marktverhaltensregel verneint.

Nun gut, jetzt haben wir eine (erste) Klärung in die eine Richtung. Die Entscheidung aus Bayern muss aber nicht die endgültige Lösung sein. Bereits bereits das OLG Bamberg, als zweite Instanz oder ein ganz anderes Gericht in erster Instanz können anders entscheiden. Bis hier Klarheit herrscht wird man wohl die Entscheidung des BGH abwarten müssen, so es die denn überhaupt irgendwann geben wird.

Gleichwohl kann ich mir vorstellen, dass die Entscheidung für neue Motivation unter Abmahnern sorgt. Panische Artikel zu dem Thema wird es auf jeden Fall geben. Insofern soll hier mal in Deutlichkeit gesagt werden: Es handelt sich um eine Entscheidung eines einzelnen Gerichts in einem Eilverfahren. Das ist nicht zu vergleichen mit „Gesetzeskraft“. Die Welt wird sich weiterdrehen und Panik wäre jetzt der falsche Ansatz. Zumal: An der Frage, ob ein Verstoß gegen die DSGVO abmahnfähig ist oder nicht, kann ich als Unternehmer eh nichts ändern! Das ist eine Rechtsfrage, die ich nicht beseitige indem ich meine Datenschutzerklärung für noch einmal 10.000,00 EUR überarbeiten lasse.

Die Datenschutzerklärung – ein Hauch von nichts

Apropos Datenschutzerklärung. In dem Verfahren streiten sich offensichtlich zwei Anwaltskollegen. Der abgemahnte Kollege hatte wohl eine Datenschutzerklärung mit nur 7 Zeilen Inhalt. Es wurde nicht einmal die Verantwortliche Stelle benannt; einer der Punkte die zum Mindestmaß an eine vernünftige Datenschutzerklärung gehören. Da muss man sich auch die Frage nach der Motivation des Abgemahnten stellen. Mit dem Medienhype der letzten Monate ist es jedenfalls schwer vorstellbar, dass man vom Thema Datenschutz schlicht nichts mitbekommen hat.

Auch interessant – niedriger Streitwert

Das Landgericht setzte den Streitwert für diese Angelegenheit auf 2.000,00 EUR fest. Aus dem Streitwert werden die Rechtsanwaltsgebühren berechnet, die für Abmahnung und Gerichtsverfahren fällig werden. Für das außergerichtliche Verfahren kann der Anwalt damit in aller Regel 255,85 EUR inkl. Steuern ansetzen. Die Attraktivität wird damit nicht steigen. Die Streitwertlösung ist meines Erachtens eine gute Lösung um dem Abmahnen als Geschäftsmodell ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Die Entscheidung:Landgericht Würzburg vom 13. September 2018, Az. 11 O 1741/18)

Update 18.10.2018

Offensichtlich war die Entscheidung des LG Würzburg nicht die erste zu dem Thema. Bereits im August entschied das Landgericht Bochum genau andersherum. Nach Auffassung LG Bochum besteht kein Unterlassungsanspruch eines Unternehmen gegen seinen Wettbewerber wegen eines Verstoßes gegen Datenschutzbestimmungen. Das Landgericht folgt damit einer gewichtigen Meinung die u.a. auch von Köhler vertreten wird (ZD 2018, 337 sowie in Köhler/Bornkamm/Feddersen, UWG, 36. Aufl. 2018, § 3 a Rn. 1.40 a und 1.74 b, im Ergebnis auch Barth WRP 2018, 790). Köhler ist Herausgeber eines der führenden Kommentare zum Wettbewerbsrecht. Das Thema bleibt aber sicherlich weiterhin umstritten und man wird sehen müssen, welche Auffassung sich letztlich durchsetzt. Der Kollege Härting vermutet in einem Beitrag auf cr-online.de sogar, dass bald auch der BGH über das Thema entscheiden könnte.

Zur Entscheidung des Landgericht Bochum vom 07.08.2018 (I-12 O 85/18).

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