Getty Images und der „Bilderklau“ – ingesamt 1,2 Mio Dollar Schadensersatz von Getty und AFP

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André Stämmler

© fotomek - Fotolia.com
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Bei dem britischen Unternehmen Getty Images kann man Fotos „kaufen“ und diese dann je nachdem welche Lizenz man erworben hat, für verschiedene Einsatzzwecke nutzen. Verwendet man ein solches Foto nun ohne die entsprechende Lizenz, kann das richtig teuer werden. Wer beim „Bilderklau“ erwischt wurde bekommt zunächst Post von Getty Images direkt. Mit diesem Schreiben wird dann eine recht hohe Lizenzgebühr geltend gemacht, die durchaus im vierstelligen oder gar fünfstelligen Bereich liegen kann. Wer nicht zahlt, bekommt dann in der Regel Post von der Münchener Anwaltskanzlei Waldorf Frommer; eine im Bereich der urheberrechtlichen Abmahnungen nicht ganz unbekannte Kanzlei. Während auf der einen Seite urheberrechtlich geschützte Werke nicht ohne weiteres verwendet werden dürfen, wirken auf der anderen Seite die geforderten Lizenzgebühren zu hoch angesetzt. Darüber hinaus sind auch Fälle bekannt, in denen selbst Inhaber entsprechender Lizenzen abgemahnt wurden.

Nunmehr hatte es Getty Image selbst „erwischt“. Wegen „Bilderklau“ wurde das Unternehmen gemeinsam mit der der französischen AFP zu einer Schadensersatzzahlung von insgesamt 1,2 Millionen Dollar durch eine u.s.-amerikanische Jury verurteilt. Die Agenturen hatten unberechtigt Bilder des haitianischen Fotografen Daniel Morel verwendet. Dieser hatte im Januar 2010 eindrucksvolle Fotos von dem Erdbeben in seiner Heimat geschossen und u. a. über TwitPic  – eine Seite über die Bilder bei Twitter verbreitet werden können – online gestellt. Ein anderer Twitter-Nutzer verbreitete die Bilder weiter und behauptete der eigentliche Urheber zu sein.  AFP eignete sich daraufhin 8 Fotos von Morel – ohne dessen Erlaubnis – an und verbreitete diese weiter. In den den USA wurden die Bilder über Getty Images verkauft und unter anderem von The Washington Post, ABC und CBS verwendet. Mit diesen konnte sich Morel noch vor dem Prozess einigen, wie das Weblog der New York Times berichtet. Am Freitag vergangener Woche sprach die Jury Getty Images schuldig eine vorsätzliche Urheberrechtsverletzung begangen zu haben und sprach Morel den höchstmöglichen Schadensersatz von insgesamt 1,2 Millionen Dollar zu, wie EPUK berichtet. Die Jury hatte bei der Bemessung des Schadensersatzes eine Spanne von 650 Dollar bis 150.000 Dollar je Bild und entschied sich für die höchste Summe. Die Argumentation von Getty Images, dass die Bilder bereits bei Twitter veröffentlicht wurden und damit zur „freien Verfügung“ standen, überzeugte die Jury nicht.

Bedenkt man wie konsequent Getty Images gegen angebliche Urheberrechtsverletzungen bei „eigenen“ Bildern vorgehen und nun wegen vorsätzlicher Urheberrechtsverletzung verurteilt werden, kann man sich ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen.

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