Jobcenter – „Was wollen Sie hier?“

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Vieler meiner Mandanten beschweren sich, dass sie sich von Mitarbeitern des Jobcenters ungerecht und herabwürdigend behandelt fühlten. Ich konnte dies bisher nicht nachvollziehen, da ich alle Mitarbeiter als sehr freundlich kennengelernt hatte. Eine andere Erfahrung durfte ich im Laufe dieser Woche machen. 

Im Rahmen einer Akteneinsicht marschierte ich zu Jenarbeit (das Jobcenter der Stadt Jena). Jenarbeit verschickt grundsätzlich keine Akten an Kanzleien und bittet zum persönlichen Gespräch. An sich lästig, mir aber egal, da die Kanzlei im Nebengebäude von Jenarbeit liegt und man so die kurze Unterbrechung zum Frischluft schnappen nutzen kann. Nun gut, auf zum Jobcenter. Bei Jenarbeit angekommen, war natürlich keine offizielle Sprechzeit. Das bedeutet in erster Linie, dass die Büros nicht frei zugänglich sind, sondern der Flur abgeschlossen ist. Sonst könnte ja jeder kommen.

Verschlossene Türen im Jobcenter

Mit einem Telefon – vermutlich aus DDR Zeiten – muss man sich dann vor Ort telefonisch beim Mitarbeiter melden, bis dieser sich dann erbarmt und die Tore öffnet. Natürlich nahm niemand den Hörer ab. Also hieß es warten. Und dann wurde es komisch. Einige Mitarbeiter passierten das Treppenhaus und warfen mir argwöhnische Blicke á la „Wer ist das und was macht er hier“ zu. Da diese Mitarbeiter offenbar nicht zum verschlossenen Flur gehörten, ersparte ich mir ein Hilfeersuchen. Nach wenigen Minuten kam dann auch mal ein Jobcenter Mitarbeiter, der zu besagtem Flur gehörte. Da ich gerade mit dem Telefonhörer beschäftigt war, nutzte dieser die Gelegenheit um sich an mir vorbei zu schleichen und elfenartig in einer sanften Bewegung die verschlossene Tür zu öffnen und darin zu verschwinden. Nur kurz sah ich erst den versteinerten „Wer ist das und was macht er da“ – Blick, der sich kurz vor Einklicken der Tür in  einen erleichterten „Gott, sei Dank. Ich bin vorbei“ – Blick wandelte. Am Telefon hörte natürlich immer noch niemand. Nach nochmaligen Warten eilte die nächste Jobcenter-Mitarbeiterin heran. Wieder ein versteinerter Blick. Der Kontaktaufnahme konnte Sie aber nicht entgehen. Mit einem überaus eisernen „Was wollen Sie hier?“ gefolgt von „Heute ist kein Sprechtag, haben Sie denn einen Termin?“  wurde mein Anliegen kurz hinterfragt. „Ja ich habe einen Termin bei Frau …“ Dann überreichte ich der sehr angespannten Dame einen Brief der Sachbearbeiterin auf dem sich zwei Terminvorschläge befanden. Kurze Durchsicht und dann blaffte es zurück „Na und den gestrigen Termin haben Sie wenigstens abgesagt“. „Nein, warum? Es gab zwei Vorschläge und ich habe den heutigen bestätigt.“  dachte ich mir nur. Bevor ich etwas sagen konnte, hatte die Mitarbeiterin offensichtlich die Grußformel entdeckt, die da lautete „Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt…“. In diesem Moment brach die dunkle Wolkendecke im Gesicht der Mitarbeiterin auf und die strahlende Sonne erkämpfte sich ihren Platz zurück. Nun kam ein sehr freundliches „Sind Sie Herr Stämmler?“ beantwortet mit einem „Ja“. Die Mitarbeiterin war jetzt sehr freundlich, versprach sich zu kümmern und verschwand hinter der Tür. Wenige Augenblicke später stürmte die nächste freundliche Mitarbeiterin aus der Tür und teilte mit, dass meine Ansprechperson erkrankt sei und ob man nicht einen Termin in der nächsten Woche finden könnte. Gerne doch.

Eine subjektive Erfahrung

Natürlich ist das eine subjektive Erfahrung und kann nicht verallgemeinert werden. Ich hatte dennoch das Gefühl, dass eine aggressive  Grundstimmung im Verhalten der Jobcenter-Mitarbeiter zu spüren war. Jedenfalls solange man mich noch als Kunden (übrigens ein schreckliches Wort) ausmachte. Sollte das wirklich ein Normales Verhalten der Mitarbeiter gegenüber ihren „Kunden“ sein, erklärt dies Einiges. Sicherlich gibt es auch Hilfebedürftige, die im Umgang schwierig sind. Aber hier gleich mit einem aggressiven Abblockverhalten aufzutreten ist sicherlich der falsche Weg.

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